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Tropea, die Perle Kalabriens
Zwischen den beiden Ebenen von S.
Eufemia und Gioia Tauro, im südlichsten Abschnitt der vom
Tyrrenischen Meer umspülten Region liegt die Hochebene des Monte
Poro, eine wellenförmige Hügellandschaft, die westlich von
terrassenförmigen Felsenformationen umrandet ist und mit
schluchtartigen Granitausläufern steil bis zum Meer vordringt.
Das Ergebnis
ist eine harmonische Abwechselung von kleinen, rund auslaufenden
Buchten mit weichem Sandstrand, von Granitfelsen und breiten Hügeln
eingefasst, die immer neue Farbschattierungen bieten.
Inmitten
dieser ausgedehnten Küstenlandschaft erhebt sich auf einem einsamen
Felsen die Stadt Tropea, die vom Meer umgeben, auf einer steil
abfallenden Sandsteinklippe über einem herrlichen Strand gelegen,
den Besucher durch ihre zauberhafte Schönheit beeindruckt.
Der Felsen, auf dem Tropea liegt, erreicht 42 Meter Seehöhe. Im
Umfang gleicht die Stadt einer eiförmigen Plattform. An ihren
beiden Seiten erheben sich zwei große Felsbruchstücke: der Fels
„Madonna dell’Isola“ und der des „Hl. Leonard“. Auf dem
ersten befindet sich ein uraltes Kloster, der zweite bildet eine
Bucht, welche einen natürlichen Anlegeplatz bietet.
Das Stadtzentrum umfasst den auf dem Felsen angelegten alten
Stadtteil, der einst von den Stadtmauern, deren Resten noch sichtbar
sind, umringt war.
Die in den
engen Gassen gelegenen Gebäude des Zentrums reichen alle auf das
17. und 18. Jahrhundert zurück, obwohl sie tatsächlich entschieden
älter sind, und in den genannten Jahrhunderten infolge der immer
wiederkehrenden schweren Erdbeben zerstört und danach renoviert und
restauriert wurden. Die Häuser wurden auf dem alten Platz wieder
aufgebaut, wobei die alten noch brauchbaren Bestandteile neu
verwendet wurden, und der Bau dem neuen stilistischen Geschmack
angepasst wurde. Im ihrem Inneren bergen somit die meisten Gebäude
ihre mittelalterlichen Strukturen.
Beeindruckend
sind vor allem die mächtigen Paläste der einstigen lokalen
adeligen Familien, die heute entweder ausgestorben, oder in aller
Welt verstreut sind. Massive Portale aus Granit und elegante
Säulenhöfe
zeugen noch von der Großartigkeit und dem Wohlstand der Familien,
die sie einst errichteten.
HISTORISCHER
ABRISS
Die ältesten archäologischen Hinweise, die von der Ansiedlung
verschiedener menschlichen Gemeinden im Laufe von urgeschichtlichen
Jahrhunderten zeugen, sind im Untergrund begraben gefunden worden.
Diese Tatsache beruht auf dem regen Handelsverkehr, der schon in
Urzeiten zwischen den Äolischen Inseln und dem Festland bestanden
hatte.
Entscheidend
waren aber verschiedene Faktoren, die noch heute die modernen
Sommerfrischler anziehen: die Milde des Klimas, die immergrünen
Weideplätze, die sonnendurchflutete Atmosphäre, die üppigen Bestände
an Süßwasser und die Fruchtbarkeit des Grundes.
Funde
bezeugen, dass Urmenschen hier schon in der Alt- und Neusteinzeit
ihre ersten Hütten bauten, und die „tombe a grotticelle“
(grottenförmige Grabstätten), welche die gleichnamige Kulturepoche
vertreten, kann man in dem kleinen Hügel hinter dem Friedhof von S.
Domenico sehen, so wie die im Untergrund der Stadt und in ihrer
Umgebung ans Licht gebrachten Einäscherungsurnen der Vor- Villanova
Epoche, und die Nekropolis der vorhellenischen Kultur der Eisenzeit,
in der Nähe der Ortschaft Torre Galli, auf den Hügeln des
Binnenlandes.
Das
Zeitalter der griechischen Kolonisierung ist reichlich vertreten,
wie eine Anzahl von Gräbern der hellenisierten Bevölkerung in der
Nähe des Bahnhofs zeigt.
Der Überlieferung
und den Berichten von altertümlichen Schriftstellern nach entnehmen
wir, dass Tropea von Scipio oder von Pompeius oder Oktavian anlässlich
der Rückkehr von einem Siegeszug gegründet wurde; das würde den
Namen der Stadt erklären, der von den Siegestrophäen, welche auf
dem Felsen von einem dieser Heerführer ausgestellt wurden, stammen
könnte. Diese Legende könnte ihren Ursprung in der historischen
Tatsache haben, dass die Soldaten nach den Flottenoperationen in der
natürlichen Bucht von Tropea vor Anker gingen und sich allmählich
auf dem Land ansiedelten.
Eine weitere
Möglichkeit wäre, dass Tropea als römische Kolonie im Gegensatz
zu der griechischen Vibo Valentia gegründet wurde; ein Beweis davon
wäre die weitläufige römische Nekropolis.
Weitere
Fundstätte ist der höchst interessante frühchristliche Friedhof
aus dem 5. und 6. Jh., der sich unter dem ältesten Stadtteil,
insbesondere unter dem Domplatz, erstreckt.
Dem alten
einheimischen Mythos nach wurde Tropea jedoch von Herakles gegründet,
der auf der Rückreise von seinen Arbeiten in Afrika durch Kalabrien
zog.
Die Form des Felsen auf dem Tropea liegt erhielt im Laufe der
Jahrhunderte eine entscheidende Rolle: er ist nur an einer Seite mit
dem Festland verbunden, rechts und links fallen die Abhänge steil
zum Meer hinab.
Nach der Gründung
sperrte man den Zugang zur Stadt vom hinteren Hügelland, später
baute man dort eine Burg mit einem hohen Turm, welche dem König
selbst gehörte, der für die Verteidigung der Stadt kämpfte.
Der Fels
wurde somit zu einem ausgezeichneten Bollwerk in günstiger
geographischer Lage, in dem sich die Bevölkerung selbst bei
Belagerungen mit frischem Fisch versorgen konnte mit Hilfe der
Netze, die sie von Fenstern und Balkonen hinunterlassen konnte.
Im Mittelalter wurde die Provinz Kalabrien, als Teil des ehemaligen
von den Griechen besiedelten Süditalien in das Oströmische Reich
einverleibt, sie wurde dem Patriarchen von Konstantinopel unterstellt
und erlebte eine Epoche von Sicherheit und Wohlstand, in
der sich die griechische Sprache (in vielen Ortschaftsnamen noch
heute präsent) wieder behauptete und die griechischen religiösen
Riten verbreiteten.
Die
Verehrung der griechischen Heiligen ist heute noch lebendig, zum
Beispiel ist die Schutzherrin der Stadt noch immer S. Domenica,
wahrscheinlich aus Anatolien stammend, aber von den Tropeanern als
Einheimische verehrt.
Als Sizilien
von den Arabern erobert wurde (827-902), wurde Kalabrien oft von den
Sarazenen überfallen. Tropea wurde das strategische Bollwerk der
Byzantiner gegen die arabischen Räuber, und somit Schauplatz
blutiger Seeschlachten.
Der Sieg
zwischen den beiden ging aber an Dritte: die Brüder Robert und Roger
Hauteville, die mit der Einnahme Tropeas den Aufbau eines Reiches
begannen, das bis 1860 fortlebte, und das die Stadt von dem
orientalischen Einfluss löste.
Im Laufe der
Jahrhunderte erreichte die Stadt einen besonderen Wohlstand und ein
bemerkenswertes kulturelles Niveau, wurde Domänenstadt und genoss
ungestörte Freiheiten, erhielt zahlreiche Privilegien dank ihrer
Treue zum Neapolitanischen Reich, die ihren wirtschaftlichen
Aufschwung begünstigten.
Die
Einwohnerzahl der Stadt übertraf bei weitem die der heute
bekannteren großen Städte Kalabriens; Tropea war außerdem Sitz
eines Bischofs, eines Kapitels (Hauptversammlung der geistigen Körperschaft
der Kathedrale), hatte ein Seminar, eine Literaturakademie und eine
beachtenswerte musikalische Tradition, viele religiöse Orden, die
Ordenssitze gründeten und durch ihre ausgesuchten kulturellen
Beziehungen einen unschätzbaren Beitrag zum städtischen Leben
leisteten.
Heute ist
der einstige Glanz verschwunden, der nur noch von mächtigen,
wenngleich vom Alter gezeichneten, Mauern bezeugt wird, und von den
Bauten des historischen Zentrums, die sich zwischen den düsteren
engen Gassen erheben. Ihre in Stein gefassten Portale und
Backsteingesimse, ihre Eckpfeiler aus Bruchstein, aber vor allem die
gewagte Bautechnik, mit der sie steil auf der Höhe des harten
Felsen, ohne Fundamente, fast mit dem Stein verschmolzen errichtet
wurden und den zahlreichen Erdbeben getrotzt haben, machen aus
diesen Patrizierhäusern höchst interessante Baudenkmäler. Ihr
Baustil ähnelt der typischen süditalienischen architektonischen
Richtung der Herrschaftsgebäuden. Durch das mächtige Eingangstor
aus Granit dieser Paläste gelangt man ins Innere und betritt man
eine tonnengewölbte, bogenförmige Vorhalle, wo einst Pferde und
Equipagen abgestellt wurden, der ein großer Lichthof folgt und eine
eindrucksvolle Innenfassade, mit ihren fantasievollen Elementen,
Verzierungen und schwungvollen Treppen.
STADTFÜHRER
Ein
Stadtbesuch fängt beim Stadttor Porta Nuova an, „das neue Tor“,
das nach dem Erdbeben des Jahres 1783 in die alten
Verteidigungsmauer eingefügt wurde, d.h. dort wo der Felsen, auf
dem die Stadt liegt, mit dem Festland verbunden ist. Vor dem Tor
laufen zwei tiefe Furchen links und rechts hinab zu den Stränden.
Rechts kann man noch die alten massiven Zinnmauern bewundern. An der
Stelle der alten Burg wurde der große düstere Palazzo Toraldo
gebaut, der eine interessante Sammlung von frühchristlichen
Inschriften beherbergt, die während dem Abbruch der Burg gefunden
wurden.
Die aktuelle
Via Vittorio Emanuele, welche mit einer Aussichtsterrasse mit Blick
auf den Strand und die Madonna dell’Isola endet, ist das Ergebnis
der Verbindung zahlreicher kleiner Gassen: die alte Hauptstrasse
verlief quer vom Dom über die zentrale Piazza Ercole zur
sonnendurchfluteten Esplanade, wo noch eine alte Bombarde steht.
Auf der
Piazza Ercole, Mittelpunkt des historischen Stadtzentrums, steht ein
Gebäude, das die Geschichte geprägt hat: es wurde als Sedile dei
Nobili (Versammlungsort des Stadtadels) 1703 gebaut; nach der
Abschaffung des aristokratischen Verwaltungssystems, wurde er Sitz
der Zivilverwaltung und seit 1892 versammelt sich in ihm der Verein
Galluppi, benannt nach dem berühmten Philosophen des früheren 19.
Jh. Pasquale Galluppi. An der Fassade ist das Wappen des
Sedile noch sichtbar, mit einem Löwen, einer Keule und einer Hydra.
Rechts biegt
man ein und gelangt man zum beeindruckenden Dom, der die Spur der
sich abwechselnden Kulturströmungen und historischen Ereignisse trägt.
Es ist ein
romanisch-normannischer Bau aus dem 11.-12. Jh., der aber
stufenweise gefertigt wurde und verschiedenste Elemente aufweist.
Auf der Fassade kann man eine Rosette des 16. Jh. bewundern, auf der
linken Seite befindet sich ein Pseudoportikus arabisch-sikulischen Stils.
Innen ist
die Kirche nach dem Schema der frühchristlichen Basilika angelegt.
Im Zeitalter des Barocks wurde der Bau verlängert, die alten
Apsiden abgeschafft und neue gebaut. Die Blickpunkte bilden die
achteckigen Pfeiler und die krönenden doppelrückigen Bögen mit darüber angebrachten kleinen Fenstern. Mehrere Grabmäler
einstiger wichtiger Persönlichkeiten befinden sich an den Seiten,
wie das Grab der Familie Galluppi, mit den Gebeinen des großen
Philosophen, dazu kostbare Schnitzwerke, wie das berühmte
Holzkruzifix aus der Mitte des 19. Jh. in der zweiten Kappelle
rechts.
Blickfang in
der Mitte der Hauptapsis ist eine Ikone der von den Tropeanern
besonders innig verehrten Madonna di Romania (Jungfrau aus Rumänien),
nach der noch viele Frauen benannt sind, angeblich aus dem Orient
zur Zeit des Bildersturms gebracht. Dem Stil nach ist es aber ein
Werk der Schule Giottos, datierbar ungefähr 1330.
Vom Domplatz
aus kann man einen herrlichen Ausblick auf den Strand, auf die sich
ins Meer stürzenden Hügel und weiter noch, bis zu den Bergketten
dahinter, genießen.
Nach dem
Dombesuch kann man die vielen herrschaftlichen Gebäude der
Altstadt mit ihren unterschiedlichen Stilrichtungen bewundern, die im 17.
Jh. auf einer ehemaligen byzantinischen Kirche erbaute Jesuskirche; die Franziskuskirche, 1295 anstelle der älteren Kirche
des hl. Peter errichtet, mit ihrer Friedhofkapelle aus dem 14. Jh.,
ursprünglich Grabmal eines unbekannten Ritters; die Adelskappelle,
Sitz der Brüderschaft der Adeligen, und viele andere.
DIE UMGEBUNG
Bemerkenswert
ist der Felsen Madonna dell’Isola, einst eine vom Meer umspülte
Insel, die man mittels steiler Treppen erklimmen kann und die frühmittelalterliche
Kirche mit ihrer bunten Fassade und den gotischen Bauelementen, von
der aus man die herrliche Aussicht auf die Stadt,
die Strände, die faraglioni (Felsblöcke inmitten des
Meeresspiegels), die Äolischen Inseln und sogar die hohe Bergkette
der Sila genießt. Das Kloster gehört seit Jahrhunderten der Abtei
von Montecassino.
Eindrucksvoll
ist auch die Chiesa della Michelizia, die ihren Bau einer Legende
verdankt. Malerisch gelegen, fällt sie besonders wegen des
imponenten Baugefüges auf. Die Geschichte erzählt von einem Michele
Malizia, einem sizilianischen Kaufmann, der in einem Seesturm am 4.
August 1500 gefangen, der Madonna den Bau einer Kapelle versprach,
wenn sie seine Rettung ermöglichte. Als ein Bauer ein beleuchtetes
Fenster öffnete, konnte der Kaufmann das Licht verfolgen und ans
Land gelangen
Die Küste nördlich
von Tropea ist durch sanfte, von üppigem Grün umgebene Hügel
gekennzeichnet, auf denen sich malerische Ortschaften und Fischerdörfer
befinden, wie Parghelia, eine ehemalige glorreiche Handelsstadt, die
1905 von einem Erdbeben dem Boden gleichgemacht wurde, und von deren
einstigen befestigten Häusern und Türmen heute keine Spur mehr
vorhanden ist. Am Fuße dieser Stadt erstreckt sich ihr Strand, umspült
vom sanft plätschernden Meer, und gekennzeichnet durch die kuriosen
Granitblöcke, die in winterlichen Tagen dem sturmgepeitschten Meer
trotzen.
Die südliche Küste ist im Gegensatz dazu stark zerklüftet. Sie fängt
an bei der Madonna dell’Isola: nach zwei sanft ausladenden Buchten
mit weichem Sandstrand fangen unregelmäßige, schluchtartige
Felsausläufer an, wie in Riace, wo das Meer in seine Grotten dringt
und zauberhafte Farb- und Melodieneffekte bildet.
Die nächste
Bucht, Furmiculi genannt, im kalabrischen Dialekt „Ameisen“, ist
benannt nach einer Reihe von flachen Felsen, und ist den Archäologen
nach der Anlegeplatz einer römischen Villa, deren Reste vor kurzem
entdeckt worden sind.
Nach der Mündung
des Flusses Ruffa gelangt man nach Capo Vaticano, dem westlichsten
Punkt Kalabriens, mit seinen schroffen Felsklippen, tiefblauem Meer
und romantischen Felsspalten.
FOLKLORE
In Kalabrien
haben sich im Laufe ihrer langen Geschichte Völker verschiedenster
Herkunft abgewechselt. Manche davon haben sich in noch heute
verstreut vorhandenen Gemeinden angesiedelt, andere haben als
unauslöschbares
Erbe Sitten und Bräuche ihrer weit entfernten Herkunftsländer
hinterlassen. Einerseits ist die kalabrische Tradition von
griechischen und römischen, byzantinischen und orientalischen
Elementen durchdrungen, andererseits leben die gräzisierten und die
albanischen Gemeinden in ihrer eigenen Kultur und nach ihren Bräuche,
feiern ihre Volksfeste und Riten ganz nach abgesonderten
Traditionen, die von Generation zu Generation überliefert und mit
derselben Beharrlichkeit bewahrt wurden, wie die ursprüngliche
Sprache und das Gefühl der Zusammengehörigkeit, die sie heute noch
verbindet.
Die
kalabrischen Festlichkeiten folgen dem Rhythmus der religiösen
Feiern, welche die regelmäßige Erneuerung der immer fortwährenden
Riten ausdrücken; deutliche Sympathie genießen auch die Feiern der
Dorfschutzheiligen, die mehr als andere den ursprünglichen
spirituellen Tiefsinn bewahren. Die Prozessionen in Kostüm die den
Kalvarienweg darstellen, sind am besten durch die sogennante „Naca“
von Catanzaro, der kalabrischen Hauptstadt, vertreten, welche am
Karfreitag seit uralten Zeiten zelebriert wird. Sehr umstritten
ist stattdessen die antike Tradition der sogennanten „Vattienti“,
die in Nocera Terinese gezeigt wird: die Büßer, mit einem Tuch
angezogen, das einen Großteil ihres Körpers unbedeckt lässt, geißeln
sich mit einer Korkscheibe, wo Glasstücke angebracht sind. Weniger
grausam ist die „Confrunta“, welche das Treffen zwischen dem
auferstandenen Christus und der Jungfrau Maria darstellt. An diesem
Beispiel kann man merken, wie die religiösen Feierlichkeiten oft
ins volkstümlich-landwirtschaftliche dringen: während der
Confrunta muss nämlich ein Volksvertreter die Statue der Madonna
verfolgen und ihr den Schleier abnehmen; wenn dieser ohne
Schwierigkeiten am Boden fällt, kann man entnehmen, dass die Ernte
eine üppige sein wird.
Sehr
spektakulär sind die vielen Prozessionen am Meer, so wie die der
Madonna dell’Isola di Tropea, während der die Fischer der
Madonna danken, indem sie ihrer Statue folgen und auf ihren sehr
bunten Booten langsam rudern.
Sehr
verschiedene Traditionen haben die griechischen und albanischen
Gemeinden. In diesen abgelegenen Dörfern wird noch die alte Sprache
gesprochen und sogar die Strassenschilder sind in jener Sprache
verfasst. Der albanische Nationalheld, Skanderbeg, der in Kalabrien
sein Volk rettete, wird seit 5 Jahrhunderten sehr prachtvoll
zelebriert. Typisch für diese Feste sind vor allem die bunten Kostüme
und die komplexen Gruppenvolkstänze.
GASTRONOMIE
So wie
Kalabrien selbst variations- und abwechselungsreich ist, ist auch
die Küche, in welcher Geschmäcker aus dem Mittelmeerraum vorhanden
sind, mit einigen orientalischen Abtönungen, welche die regionalen
geographischen Besonderheiten aus den Bergen und der Küste einfließen
lässt.
Viele Gemüsesorten,
so wie Melanzane, Fenchel, Kichererbsen, Saubohnen, Feldsalate und
Fisch, welche die „bäuerliche“ kalabrische Küche seit eh und
je kennzeichnen, werden heute als vollwertig und ursprünglich
betrachtet. Sehr berühmt ist die „Cipolla di Tropea“, die
typische süßliche rote Zwiebel, die in ganz Italien nur auf den
Feldern von Tropea wächst und den einzigartigen leichten Geschmack
annimmt, der sie so beliebt macht; daher wird sie auch überall hin exportiert. Die Zwiebel wird in Tropea für alle möglichen Speisen
zubereitet, sogar in Form von Marmelade.
In den
Bergen ist eher alpine Kost zu finden, wie den typischen Speck, den
Schweinshackbraten, die sehr pikanten Würste, den Schafkäse, den
geräucherten Käse und die Ricotta, außerdem ausgezeichnetes Rind-
und Lammfleisch. Die vielen dichten Wälder liefern mehrere
hochwertige Pilzsorten, die dann zu Konserven verarbeitet werden.
Konserviert und auch ins Ausland exportiert wird der Thunfisch, vor
allem die wertvolle aromatische Version der „ventresca“ in
Filets, fast wie frisch gefischt.
Und als
letztes sollten die vielen Süßigkeiten erwähnt werden: der
kalabrische Honig aus allen Blütensorten (vor allem Orangenblüten),
die Walnüsse und die Mandeln, mit denen ausgezeichnete Backwerke
zubereitet werden.
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